Die Wurzelspirale |
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Wenn man die Wurzelspirale als hübsche Anwendung des Satzes von Pythagoras ansieht und sich vielleicht noch fragt, bei welcher Hypotenusenlänge sich die Dreiecke erstmals überschneiden, so kann man hier aufhören. Zeichnet man die Wurzelspirale weiter, so drängen sich allerdings neue Fragen und Vermutungen auf, deren Beantwortung durchaus anspruchsvoll ist. |
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Bei einer vollen Umdrehung beträgt der gesamte Winkelzuwachs 2Pi, der Radienzuwachs demnach für große n ungefähr halb so viel, also Pi. DIese Argumentation "beweist" allerdings nur Punkt 1. Für eine strengere und genauere Untersuchung verwenden wir die Eulersche Summenformel. |
Die Eulersche Summenformel macht eine Aussage über die Summe von Funktionswerten einer hinreichend oft differenzierbaren Funktion: (1) Dabei sind Br die Bernoulli Zahlen und R(k) ein Restglied, das von dem beliebig zu wählenden Parameter k >=1 abhängt. Es gilt R(k) = wobei Frac(x) den nichtganzzahligen Anteil von x und Bk(x)
das k-te Bernoulli-Polynom darstellt. Für unsere Zwecke geeigneter ist es allerdings, das Restglied in der Form R(k) = zu schreiben. Wir benutzen diese Formel jetzt, um die Winkelsumme phi(n -1) der ersten n -1 Dreiecke der Wurzelspirale zu bestimmen. Es gilt phi(n -1) = Wenn wir k = 3 wählen erhalten wir mit der Eulerschen Summenformel: phi(n -1) = R(3,n) = Wegen der Abhängigkeit von n haben wir R(3,n) anstelle von R(3) geschrieben.
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Führen eine Reihenentwicklung von phi(n -1) - R(3,n) im Punkt unendlich durch, so erhalten wir phi(n -1) - R(3,n) = Für ein einzelnes Integral G(j) = Es gilt also R(3,n) = R + O(1/n)^7/2, und insgesamt folgt daraus phi(n -1) = (2) phi(r) = schreiben, wobei n = r^2 - 1 und K= Damit lässt sich die 2. und 3. Frage beantwortet. Es handelt sich für r gegen unendlich um eine Archimedische Spirale mit a = 1/2 und b = - K/2. |
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Ersetzen wir das konstante Glied K in (2) durch einen Näherungsbruch und vernachlässigen die Terme höherer Ordnung, so erhalten wir (3) w(r) = Diese Approximation ist auch für kleine r bereits so gut, dass mit dem Auge keine Abweichung zu erkennen ist, wie folgende Graphik mit den ersten 16 Dreiecken zeigt. Die blaue Kurve gibt ( r | w(r) ) in Polarkoordinaten an.
Die folgende Tabelle zeigt, dass phi(5,r) =
Schon beim dritten Dreieck unterscheiden sich phi(r) und phi(5,r) nur
noch in der 6. Nachkommastelle! 0 < phi(r)-phi(5,r) < 0.0007/r^7 für alle r>=1. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Indem man in die Eulersche Summenformel (1) nicht k=3 sondern ein k>=8 einsetzt, erhält man entsprechend phi(15,r)= Die Abweichung phi(15,r) von phi(r) ist nur von der Ordnung O(1/r)^17. Die Beziehung lässt sich benutzen, um K sehr genau zu bestimmen,
indem man ausnutzt, dass K=-2.1577829966594462209291427868295777235041395986075624551548955508588696467966\ |
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In der On-Line Encyclopedia of Integer Sequences ist die Folge a(k) angegeben, welche die Anzahl der Dreiecke angibt, mit denen die Spirale gerade die k-te Drehung vollendet hat. Die Folge lautet 17, 54, 110, 186, 281, 396, 532, 686, 861, 1055, 1269, 1503, 1757, 2030, 2323, 2636, 2968, 3320, 3692, 4084, 4495, 4927, 5377, 5848, 6338..... Einen geschlossenen Ausdruck für diese Folge gibt es vermutlich
nicht, wir können aber eine Näherungsfolge b(k) angeben, welche
die Folge a(k) zumindest sehr gut approximiert und vielleicht sogar mit
ihr identisch ist.. 2kPi = 2r +1/(6r) -1/(120r^3) - 2c + O(1/ r)^5 und damit r + 1/(12r) - 1/(240r^3) + O(1/ r)^5 = kPi + c. Quadrieren wir diese Gleichung so erhalten wir r^2 +1/6 -1/(720r^2) + O(1/r)^4 = (kPi + c)^2. Wegen n = r^2 - 1 erhalten wir dann n = (kPi + c)^2 - 7/6 + 1/(720(n+1)) + O(1/n)^2 Ein nicht ganzzahliger Wert für n muss immer zur nächsten natürlichen Zahl hin aufgerunded werden, da wir ja das n suchen, bei der die k-te Drehung vollendet wird. Bezeichnen wir mit Int(x) den ganzahligen Anteil einer nicht ganzen Zahl x , so beschreibt Int(x+1) diese Aufrundung und wir erhalten für die Näherungsfolge b(k): (4) b(k) = Int( (kPi + c)^2 - 1/6), mit c ungefähr 1.078891498329723110465. Für alle k<=4000 wurde die Näherungsfolge b(k) und die exakten
Folge a(k) miteinander verglichen und Übereinstimmung festgestellt. (5) 0<= a(k) - b(k) <= 1, für alle k >= 1: Wenn man annimmt, dass n - Int(n) im Intervall [0,1[ gleichverteilt ist,
lässt sich die Wahrscheinlichkeit P(k) dass a(k) - b(k) = 1 ist für
große k mit 1/(720b(k)), also mit 1/(720 (kPi + c)^2) < 1/(7100k^2)
abschätzen. (1-P(4001)) (1-P(4002)) (1-P(4003)) (1-P(4004))............. > 0.9999999647 Die Betrachtung zeigt also, dass a(k) = b(k) für alle k>=1 recht wahrscheinlich ist - ein Beweis der darüber Gewissheit verschafft ist aber mit den hier verwendeten Methoden nicht zu finden..
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